MediTECH Electronik GmbH - Warnke-Verfahren: Hören - Sehen - Bewegen

Konsonanten-Veredelung statt Hochton-Training



Seit mehreren Jahrzehnten vermarktet der französische Arzt Dr. A. A. A. Tomatis mit erheblichem Aufwand sein Verfahren des Hochton-Trainings zur Therapie fast jeder erdenklichen Krankheit. Dabei werden aus natürlicher Sprache oder Musik alle Frequenzen unterhalb einer bestimmten Eckfrequenz von beispielsweise 4.000 Hertz eliminiert. Einen Wirkungsnachweis über die behaupteten vielseitigen Heilerfolge vor allem bei Sprachauffälligkeiten gibt es bis heute nicht. Ganz im Gegenteil:

  • Der einzigen vorliegenden wissenschaftlichen Studie1 über das Tomatis-Hochton-Training ist eindeutig folgendes zu entnehmen: Eine Gruppe von ursprünglich 32 lernbehinderten Kindern wurde zwei Jahre lang nach der Tomatis-Methode behandelt und mit einer entsprechenden Kontrollgruppe verglichen. Kontrolluntersuchungen nach jeweils einem und nach zwei Jahren ergaben in der Placebogruppe sogar bessere Testergebnisse z. B. in der auditiven Diskrimination als in der Tomatis-Gruppe. Eine Wirksamkeit der Therapie war hier also nicht nachzuweisen.
  • Auf einem Kolloquium der Geers-Stiftung 2 erklärte Professor Scheich (Leiter der Abteilungen Akustik, Lernen und Sprache am BL-Institut für Neuropsychologie in Magdeburg), daß auch er keine wissenschaftlich begründbaren Assoziationen zur Tomatis-Therapie sehe.
  • In einem zusammenfassenden Gutachten der ACADÉMIE NATIONALE DE MÉDECINE, der obersten französischen Aufsichtsbehörde auf diesem Gebiet, wird abschließend festgestellt:

"Die Wirksamkeit der Tomatis-Methode ist nicht erwiesen, da sie nicht nachweisbar ist, und zwar aus mindestens zwei Gründen:

  1. Bei Tomatis kamen niemals international anerkannte Hörprüfungsverfahren zur Anwendung. Die uns zahlreich vorliegenden Unterlagen zeigen, daß bei den angeblich schwerhörigen Patienten, die von Tomatis behandelt wurden, gar keine Schwerhörigkeit vorlag. Die audiometrischen Kurven, erstellt bei aufgesuchten HNO-Ärzten, waren vollkommen normal und widersprachen völlig denen, welche in Tomatis-Zentren gemessen wurden.
  2. Die Verbesserungen und Erfolge, die von Tomatis berichtet wurden, gehören in den Bereich der Affekte, der Befindlichkeit, also in den Bereich des Subjektiven. Es ist schon möglich, daß ein Kind, welches in einem Audio-Psychologischen-Zentrum gefördert wird und dort in einer spielerischen Umgebung vor einen Bildschirm und eine Tastatur gesetzt wird, den Eindruck vermittelt, sich gebessert zu haben.

Beim gegenwärtigen Stand der Forschung bleibt es Tomatis überlassen, den Wert seiner Methode zu beweisen. Unsere Aufgabe ist es, die Organe der öffentlichen Versorgung auf den äußerst zweifelhaften Nutzen der Tomatis-Methode aufmerksam zu machen. Nach allem ist die Kostenübernahme der Tomatis-Methode durch die Krankenversicherung nicht gerechtfertigt."


Dennoch sind bis in die jüngste Zeit hinein auch von anderer Seite immer wieder neue Versuche unternommen worden, durch Hochton-Training eine Verbesserung bei Sprachauffälligkeiten zu bewirken, ohne daß es neuerdings etwa einen wissenschaftlichen Nachweis gegeben hätte. Sorgfältig wissenschaftlich untersucht wurde dagegen in jüngster Zeit ein Verfahren, mit dem die amerikanischen Professoren M. Merzenich und P. Tallal zunächst in den USA erhebliches Aufsehen erregt haben:

Auf der Jahrestagung 1999 der Deutschen Gesellschaft für Audiologie berichtete Prof. Merzenich erstmals persönlich in Deutschland, daß seine Forschungsgruppe mittels einer speziell in englischer Sprache geschaffenen CD-ROM ein Konsonanten-Training zum Abbau des Problems unzureichender phonematischer Diskrimination bei bestimmten Konsonanten entwickelt haben. Das sprachauffällige Kind hört auf dieser CD-ROM zeitlich in bestimmter Weise veränderte Konsonanten, die dadurch besser erkennbar werden. Das Ergebnis ist, daß diese bessere Erkennbarkeit bei richtigem Training zu besseren neuronalen Programmen führt, die das Dekodieren der gelernten Laute auch in der Alltagssprache erleichtern und beschleunigen.

Die MediTECH Electronic geht mit ihren neuen Lateral-Trainern noch einen großen Schritt weiter in die von Prof. Merzenich aufgezeigte Richtung: Jegliche sprachliche Information, die von den fortan zur Auslieferung gelangenden Lateral-Trainer LT 3.0 und AVT-7000-III verarbeitet wird, also die Modellstimme von der CD sowie die beiden Mikrofonkanäle, kann durch die jederzeit zuschaltbare Konsonanten-Veredelung verändert werden. Diese Veredelung sorgt dafür, daß tatsächlich - auch für Guthörende deutlich wahrnehmbar alle Konsonanten aus den sie umgebenden Störgeräuschen und Vokalen herausgehoben werden und so für das übende Kind klarere Modelle darstellen. Das läßt sich schwer beschreiben - man muß es gehört haben. Für den praktischen Einsatz seien hier drei Beispiele angeführt:

  • Bei einem lautsprachlich entwicklungsverzögerten Kind werden bestimmte Phoneme durch rhythmisches Synchronsprechen mit der Therapeutin eingeübt. Falls es etwa nach der zehnten rhythmischen Wiederholung bei seiner unrichtigen Artikulation verharrt, kann kurz unterbrochen und bei ansonsten unveränderten Einstellungen auf die Konsonanten-Veredelung übergegangen werden, um damit das Synchronsprechen wieder aufzunehmen und so lange fortzusetzen, bis eine deutlich erkennbare Verbesserung eingetreten ist.
  • Bei einem LRS-Kind stellt sich beim Lesen über den Lateral-Trainer heraus, daß es bestimmte anlautende Plosivlaute, wie beispielsweise das P in dem Wort „Pfahl“ oder auch bestimmte auslautende Plosivlaute, wie beispielsweise das d in dem Wort „Kind“, nicht gut erkennbar artikuliert, sondern bis zur Unkenntlichkeit verschleift. Auch hier empfiehlt sich der Übergang auf die Konsonanten-Veredelung solange, bis eine deutlich erkennbare Verbesserung eingetreten ist.
  • Bei einem rechtschreibschwachen Kind tritt die bekannte Erscheinung auf, daß es beim Probediktat in der therapeutischen Praxis oder in der elterlichen Wohnung fast fehlerfrei bleibt, während es mit demselben Diktat am nächsten Tage in der Schule total abstürzt. Also geht die Therapeutin bei ihren Probediktaten zum Einblenden des NOISE am LT 3.0 über und erlebt, daß das Kind nun auch schon bei ihr im Probediktat wesentlich mehr Fehler produziert. Auch hier kann versucht werden, anstatt das NOISE wieder drastisch zu reduzieren, die Konsonanten-Veredelung zum Einüben einer besseren Spracherkennung auch unter erschwerten Umständen zu verwenden, bis eine deutliche Verbesserung eingetreten ist.

Die erfahrene Therapeutin wird nach diesen drei Beispielen gewiß das praxisnahe Grundkonzept dieser Konsonanten-Veredelung erkannt haben und es durch eigene Varianten erweitern können. Wichtig ist in jedem Falle, wie schon in den Schlußsätzen aller drei Beispiele ausgedrückt, daß die Konsonanten-Veredelung problemgebunden und zeitlich begrenzt einzusetzen ist, damit sie nicht zu einer Krücke auf Dauer wird.


  • (1) John R. Kershner et al.; „Two-year evaluation of the Tomatis Listening Training Program with learning disabled children“, Learning Disability Quarterly, Volume 13, Winter 1990
  • (2) P. Plath „Zentrale Hörstörungen”, Schriftenreihe GEERS-Stiftung Band 10, ISSN 0935-1213

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