MediTECH Electronik GmbH - Warnke-Verfahren: Hören - Sehen - Bewegen

Bestimmung des zeitlichen Auflösungsvermögens des Gehörs bei Kindern



1. Einleitung

Das zeitliche Auflösungsvermögen ist eine für das Sprachverständnis wesentliche Eigenschaft des menschlichen Gehörs und wird bestimmt durch die Verarbeitungsgeschwindigkeit der peripheren und zentralen Anteile der Hörbahn. Die Auflösungszeit des peripheren Systems kann durch psychoakustische Größen wie Vor- und Nachverdeckungszeiten, dem Time-resolution-factor (TRF) nach Schorn und Zwicker [1] und der zeitlichen Integrationsdauer des Gehörs [2] beschrieben werden. Zur Quantifizierung der zentral-auditiven Verarbeitung wurden verschiedene binaurale Methoden beschrieben. Hierzu gehört der dichotische Test nach Feldmann 1963 und die ‘Ordnungsschwelle’ - dem kleinsten zeitlichen Abstand zweier transienter Reize, der nötig ist, um deren zeitliche Reihenfolge noch bestimmen zu können. Eine objektive Methode zur Bestimmung der zentralen auditiven Verarbeitung ist die cortikale Reaktionsaudiometrie (CERA). Ziel der vorliegenden Studie war es, diese Verfahren zu vergleichen und die Anwendbarkeit für pädaudiologische Fragestellungen zu untersuchen.

2. Probanden und Methode

An 14 Kindern im Alter von 6-14 Jahren mit normalem Tongehör und normalem Tympanogramm und ohne Sprachauffälligkeiten wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Auditorisch evozierte cortikale Potentiale (CAEP)
  • Dichotischer Sprachverständlichkeitstest nach Feldmann
  • Bestimmung der Ordnungsschwelle (OS)
Auditorisch evozierte cortikale Potentiale

Die CAEP wurden bei Reizpegeln von 70 und 80 dB HL bei rechtsseitiger und linksseitiger Stimulation abgeleitet. Als Stimulus wurden klinisch bewährte 1 kHz-Sinus-Bursts von 300 ms Dauer verwendet. Die zweikanalige Messung erfolgte über Elektroden, die am Mastoid und Vertex angebracht waren. Aus den CAEP wurden die Latenzzeiten der N100 sowohl auf der ipsi- als auch auf der kontralateral zum Stimulus gelegenen Seite bestimmt.

Dichotischer Sprachverständlichkeitsstest

Das dichotische Sprachverständnis wurde anhand der dreisilbigen Wörter nach Feldmann bestimmt. Dabei wurden die Wörter zunächst mit einem beidseits gleichen Pegel von 70 dB präsentiert und je nach gemessenem Sprachverständnis auf der entsprechenden Seite um 5-10 dB bis zu dreimal erhöht oder erniedrigt. Der Test wurde als einseitig auffällig gewertet, wenn trotz der Pegelmodifikationen die Sprachverständniswerte sich auf beiden Seiten um mehr als 30 unterschieden und als insgesamt auffällig, wenn es beidseits unterhalb von 80% lag.

Bestimmung der Ordnungsschwelle

Zur Bestimmung der Ordnungsschwelle wurde ein selbst entwickeltes PC-Programm verwendet. Dabei wurden über einen Kopfhörer zwei transiente Reize (Klick, 50 dB HL) mit einem zeitlichen Abstand von zunächst d t=500 ms abwechselnd links und rechts (randomisierte Reihenfolge) angeboten. Bei korrekter Angabe der Reihenfolge wurde der Zeitabstand automatisch um die Zeit t verringert, bei falscher Antwort um t erhöht. Die Größe von t wurde dabei abhängig von der gerade eingestellten Zeitdifferenz t gewählt:

 

t=

50 ms

für t >100 ms

t=

10 ms

für t <=100 ms und t > 50 ms

t=

2ms

für t <=50 ms

Die Untersuchung wurde abgebrochen, wenn bei einer der eingestellten Zeitdifferenzen dreimal eine falsche Antwort gegeben wurde. Mit diesem Verfahren wird die Untersuchungszeit zur Bestimmung der OS kurz gehalten und die Meßgenauigkeit der OS ist für kleine Werte genauer. Diese Bestimmung wird noch zweimal wiederholt, um eine Einübungszeit zu gewährleisten. Als OS wurde der Mittelwert der in den beiden letzten Untersuchungsreihen ermittelten Schwellenwerte genommen. In Abbildung 1 ist ein typisches Verlaufsprotokoll dargestellt. Als Ordnungsschwelle wurde hier ein Wert von 36 ms ermittelt. Durch die differenzierte Darstellung der Seiten kann außerdem bestimmt werden, ob Seitenunterschiede bezüglich der Detektion auftreten.

Abbildung 1: Untersuchungsverlauf zur Bestimmung der Ordnungsschwelle. Bei richtigen Antworten wird die Zeitdifferenz von t um reduziert, bei falscher Antwort entsprechend erhöht.

3. Ergebnisse und Diskussion

Bei allen Untersuchungen war eine Abhängigkeit vom Alter zu erkennen. Die Latenzzeiten der N100 und die Ordnungsschwelle nehmen mit zunehmenden Alter ab. Sie sind in Abbildung 2 für alle Probanden aufgeführt. Die CAEP erreichen bei einem Alter von ca. 10-14 Jahren den Normalwert (100-120 ms) Erwachsener. Für die OS wird dies ebenfalls beobachtet. Offensichtlich ist hier jedoch, daß bis auf vier Fälle immer eine Schwelle unterhalb von 60 ms - also im Normalbereich [3] - vorliegt. Wenn die bestimmten Ordnungsschwellen erhöht waren, so lagen diese in drei der vier Fälle bei über 100 ms. In diesen Fällen waren die Latenzzeiten der Welle N100 größer als 160 ms. Für die Bestimmung der Ordnungsschwelle ist die Mitarbeit und Motivation der Kinder von zentraler Bedeutung. Daher können die Ursachen für die erhöhten Werte der OS auch durch eine evtl. verminderte Compliance gelegen haben. Retrospektiv kann dies nicht entschieden werden.

Abbildung 2: Latenz der Welle N100 und Ordnungsschwelle in Abhängigkeit vom Lebensalter für alle Probanden.

Der dichotische Sprachverständlichkeitstest nach Feldmann war bei 11 Kindern beidseits unauffällig. Ein beidseitig vermindertes Sprachverständnis wurde in drei Fällen gefunden, in jeweils 1 Fall war das Sprachverständnis nur rechts- bzw. linksseitig vermindert. Auffällig ist, daß bei den Kindern mit beidseits vermindertem Sprachverständnis die Ordnungsschwelle deutlich verlängert war und die CAEP-Latenzzeiten relativ groß waren (>160 ms). Ein Vergleich der drei Untersuchungen zur Messung der zentralen auditiven Verarbeitung ist wegen der starken Altersabhängigkeit anhand der vorliegenden Daten nur schwer möglich. Daher sollen in Zukunft weitere Daten erhoben werden. Die hier beschriebenen Ergebnisse lassen jedoch den Schluß zu, daß alle drei Verfahren einen Beitrag zur Bestimmung der zeitlichen Verarbeitung leisten.

4. Literatur

  1. Schorn, K., Zwicker, E.: Frequency Selectivity and Temporal Resolution in Patients with various inner ear disorders. Audiology, 29, 8-20, 1990.
  2. Kießling, J., Kollmeier, B., Diller, G.: Versorgung und Rehabilitation mit Hörgeräten, Thieme, Stuttgart 1996.
  3. Ilmberger, J., Auditory Excitability Cycles in Choice Reaction Time and order Threshold, Naturwissenschaften, 73, 743-744, 1986.

5. Autoren

  • Dipl.-Phys. Dr.-Ing. U. Hoppe, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universität des Saarlandes, Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar, Tel.: (06841) 162953, Fax: (06841) 162997
  • Dr. med. W. Delb, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universität des Saarlandes, Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar, Tel.: (06841) 162953, Fax: (06841) 162997
  • Dr. med. F. Rosanowski, Abt. für Phoniatrie und Pädaudiologie, Univ.-HNO-Klinik, Bohlenplatz 21, 91054 Erlangen
  • Prof. Dr. med. H. Iro, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Universität des Saarlandes, Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar, Tel.: (06841) 162953, Fax: (06841) 162997

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